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Do 03.01. | 19h | karoshi | Info-Veranstaltung | Zum Feuertod von Oury Jalloh

Am Donnerstag, den 3.1. um 19 Uhr werden Aktivist*innen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. im Karoshi, Gießbergstraße 41-47 in Kassel über den aktuellen Stand der Kampagne zur Aufklärung der Todesursache von Oury Jalloh, über das Revisionsverfahren und über den polizeiinternen Umgang mit dem sogenannten „Fall” Oury Jalloh in Sachsen-Anhalt berichten und einen Film zeigen.

Hintergrund und aktuelle Situation

Am 7. Januar 2005 ist Oury Jalloh im Polizeirevier Dessau bei lebendigem Leib verbrannt. Bis heute ist nicht geklärt, was an diesem Tag in Zelle Nr. 5 tatsächlich geschehen ist. Während Verwandte, Freund*innen und die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh von Mord sprechen, wurde im ersten
Prozess gegen zwei Polizisten lediglich Anklage wegen „fahrlässiger Tötung“ bzw. „fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge“ erhoben. DerProzess endete mit einem Freispruch, obwohl sich Polizeizeug*innen in eklatante Widersprüche verwickelt hatten.

Am 7. Januar 2010 kassierte der Bundesgerichtshof in einer spektakulären Entscheidung das Urteil des Dessauer Landgerichts. Der Fall wurde nun zwei Jahre vorm Landgericht Magdeburg neu verhandelt und endete mit
einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung. Die Klage der Staatsanwaltschaft fußte auf der Annahme, dass Oury Jalloh trotz Fixierung an Armen und Beinen mit einem Feuerzeug seine feuerfeste Matratze selber angezündet habe. Das fragliche Feuerzeug ist jedoch erstzwei Tage nach dem Brand aufgetaucht. Zudem wurde bei einer erneuten Untersuchung dieses Feuerzeugs ganz klar festgestellt, dass es sich zurBrandzeit nicht am Brandort befunden haben kann. Denn es weist keinerlei Materialspuren der Matratze oder der Kleidung von Oury Jalloh auf. Mit diesen hätte es aber verschmolzen sein müssen. Ebenfalls verschwunden sind die Videobänder von der Durchsuchung der Zelle, hinzu kommen weitere Ungereimtheiten aus jüngster Zeit.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. hat daher einen bekannten Brandgutachter gebeten, in einem unabhängigen Gutachten zu klären, wie das Feuer entstanden ist und welchen Verlauf es genommen hat. Denn für die Verwandten von Oury Jalloh genauso wie für die Oury Jalloh-Initiative, für die Black Community (nicht nur) in Deutschland und für alle, die in einer Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung leben möchten, ist es von allerhöchster Bedeutung, die Wahrheit über den Tod von Oury Jalloh ans Licht zu bringen und Klarheit über strukturellen Rassismus insbesondere in deutschen Polizeistationen zu erlangen.

Einziges Problem: Ein solches Brandgutachten ist sehr teuer – insgesamt
40.000 Euro. Nicht nur, weil es erforderlich ist, die Zelle nachzubauen, auch Matratzen und andere Materialien müssen angeschafft werden. Hinzu kommen Reise-, Übersetzungs- und sonstige Sachkosten. Sicherlich, 40.000 Euro sind viel Geld. Wir glauben allerdings, dass diese Ausgabe notwendig ist, vor allem deshalb, weil sich Polizei und Staatsanwaltschaft von Anfang an auf ein einziges Brandszenario festgelegt haben, und zwar das unwahrscheinlichste. Konkret wurden bislang 5.000 Euro gesammelt, es fehlen also noch 35.000 Euro. Dieses Geld soll in den nächsten 2 Monaten in einer massenhaften Crowdfunding-Kampagne mit Unterstützung möglichst vieler Spender*innen gesammelt werden.

Eine Veranstaltung organisiert von der Kommune Lossehof
in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Kassel
mit weiterer finanzieller Unterstützung des Bündnis Kasseler Linke sowie des AStA der Uni Kassel

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